Über die Studie

Online-Präventionsprogramm für trauernde Geschwister

Das Online-Programm für trauernde Geschwister wird begleitend von der Medical School Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Birgit Wagner und dem Bundesverband Verwaiste Eltern und Trauernde Geschwister e.V. durchgeführt. Ziel der Studie ist es die Wirksamkeit des Online-Programmes  zu untersuchen. Des Weiteren wird erfragt, wie die Beziehung zu den Therapeuten erlebt wurde. Zu diesem Zweck werden die Teilnehmer gebeten zu verschiedenen Messzeitpunkten (vor, nach und während der Behandlung) Online-Fragebögen auszufüllen. Diese Daten werden anonymisiert. Sie sind nur Fachleuten zur wissenschaftlichen Auswertung zugänglich. Während der ganzen Studie wird die Vertraulichkeit strikt gewahrt.


Was ist eine Schreibtherapie?

Seit fast zehn Jahren wurden zahlreiche Studien mit Trauernden durchgeführt, welche die Wirksamkeit von internetbasierten Schreibtherapien untersucht. Die Trauernden erhalten spezifische Schreibaufgaben, welche sie an ihre Therapeuten schicken. Von diesen erhalten sie dann eine detaillierte unterstützende Rückmeldung auf den geschriebenen Text. Das Schreiben über schwierige und traumatische Lebensereignisse ist inzwischen eine wichtige Methode der Psychotherapie geworden. Das Schreiben kann Struktur geben und die Verarbeitung von Trauer und traumatischen Erlebnissen fördern.


Wissenschaftliche Studien

Mit der zunehmenden Verbreitung von Online-Therapien und -Beratungen, wurden in den vergangenen Jahren auch internetbasierte Interventionen speziell für Trauernde entwickelt und evaluiert. Diese Trauerinterventionen bauen immer auf dem Prinzip des strukturierten Schreibens auf. Die Entwicklung der internetbasierten Therapie für Trauer (Wagner, Knaevelsrud, & Maercker, 2005, 2006b) basierte auf den niederländischen Studien für die posttraumatische Belastungsstörung (Lange et al., 2003). Die Ergebnisse  der bisherigen Studien zeigten eine signifikante Verbesserung der Trauersymptome und der allgemeinen Psychopathologie (Wagner, Knaevelsrud, & Maercker, 2006). Die Depression konnte ebenfalls signifikant reduziert werden. In der Langzeituntersuchung konnte gezeigt werden, dass die signifikante Symptomreduzierung nach Beendigung der Therapie auch nach 1.5 Jahren noch aufrechterhalten werden konnte (Wagner & Maercker, 2007). In einer zweiten Phase wurde das fünfwöchige Therapieprogramm in zwei weiteren Studien für Eltern nach dem Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft oder nach der Geburt durchgeführt (Kersting, Kroker, Schlicht, Baust, & Wagner, 2011; Kersting, et al., 2013).


Online-Therapie für Trauernde

Internetbasierte Kurzinterventionen stellen aus diesem Grund eine Behandlungsalternative für trauernde Menschen dar. Die Online-Therapie kann zuhause durchgeführt werden und manchmal ist es leichter über den Tod eines Geschwisters zu schreiben als darüber zu reden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass internetbasierte Interventionen keine Konkurrenz zu bisherigen ambulanten Psychotherapien darstellen, sondern dass diese Interventionsform neue Ergänzungsmöglichkeiten für spezifische Trauergruppen bietet, die sonst keine Hilfe erhalten würden. Insbesondere profitieren Patienten, die aufgrund der geografischen Unterversorgung keine Therapie erhalten oder spezifische Therapieangebote benötigen.

Literatur

Kersting, A., Kroker, K., Schlicht, S., Baust, K., & Wagner, B. (2011). Efficacy of cognitive behavioral internet-based therapy in parents after the loss of a child during pregnancy: pilot data from a randomized controlled trial. Archives of Women’s Mental Health, 14(6), 465–477.

Kersting, A, Dölemeyer, R., Steinig, J., Walter, F., Kroker, K, K., B., & Wagner, B., B. (2013). Brief Internet-Based Intervention Reduces Posttraumatic Stress and Prolonged Grief in Parents After the Loss of a Child During Pregnancy: A Randomized Controlled Trial. Psychotherapy & Psychosomatics.

Lange, A., Rietdijk, D., Hudcovicova, M., van de Ven, J.-P., Schrieken, B., & Emmelkamp, P. M. G. (2003). Interapy: a controlled randomized trial of the standardized treatment of posttraumatic stress through the internet. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 71(5), 901–909.

Wagner, B., Knaevelsrud, C., & Maercker, A. (2005). Internet-based treatment for complicated grief: Concepts and case study. Journal of Loss and Trauma, 10(5), 409–432.

Wagner, B., Knaevelsrud, C., & Maercker, A. (2006). Internet-based cognitive-behavioral therapy for complicated grief: a randomized controlled trial. Death Studies, 30(5), 429–453.

Wagner, B., & Maercker, A. (2007). A 1.5-year follow-up of an Internet-based intervention for complicated grief. Journal of Traumatic Stress, 20(4), 625–629. LINK