Trauer

Trauer

Trauer hat viele Gesichter

Die Beziehung zwischen Geschwistern ist eine ganz besondere Verbindung. Wenn ein Geschwister stirbt, ist das sehr schmerzvoll. Der Bruder oder die Schwester kommen nie wieder – das zu begreifen fällt sehr schwer. Man kann sich nie wieder über zu laute Musik streiten, kann den anderen nie wieder in den Arm nehmen. Viele reagieren auf den Verlust mit Traurigkeit und Trennungsschmerz, der sich wie körperlicher Schmerz anfühlen kann. Auch Schuldgefühle und Schlafstörungen können auftreten. Meist lassen die negativen Gefühle mit der Zeit nach. Die Stärke der Beschwerden kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal „fehlt“ eine Trauerreaktion sogar ganz.

Wenn Kinder und Jugendliche trauern

Das Alter der trauernden Geschwister hat starken Einfluss auf die Art der Trauer: so trauern Kinder anders als Erwachsene. Sie trauern häufig in kürzeren Trauerphasen. Dabei zeigen sie oft zusätzlich Zorn und reagieren launenhaft oder gereizt; einige haben starke Ängste und Sorgen. Trauernde Geschwister im Jugendalter erleben die Trauer oft sehr intensiv, sie haben dann das Gefühl, dass der Schmerz sie überwältigt. Dadurch kann es zu Problemen in der Schule und dem sozialen Umfeld kommen.

Anna, 16 Jahre, hat ihren Bruder bei einem Autounfall verloren

Beispielfall: Anna„Nach dem Unfall habe ich mich immer wieder gefragt: Warum hat mich mein Bruder verlassen? Warum musste er sterben? In den ersten Wochen nach dem Unfall war es am schlimmsten, ich hab jeden Tag geweint.“

Richtig verstanden hat Anna den Verlust ihres Bruders erst zwei Jahre nach seinem Tod. Bis heute vergehe kein Tag, an dem sie nicht an ihn denkt, sagt Anna. Der ältere Bruder war für sie wie ein bester Freund. Mit der Zeit lässt der Schmerz vielleicht nach, doch es bleibt immer eine Lücke. Wenn Anna gefragt wird, ob sie noch Geschwister hat, sagt sie ganz automatisch:

„Ja, ich habe einen Bruder“.