Kommunikation in der Familie

Kommunikation in der Familie

Umgang mit dem Thema Tod in der Familie

Familien gehen sehr unterschiedlich mit dem Tod eines Kindes um. In manchen Familien wird viel über das verstorbene Geschwister gesprochen, es werden Fotos aufgestellt und es gibt gemeinsame Rituale wie z.B. eine Kerze für das verstorbene Kind anzuzünden. In anderen Familien wird das Thema gemieden. Es kann z.B. vorkommen, dass niemand über das verstorbene Kind spricht aus Angst, von den eigenen Gefühlen überflutet zu werden oder aus der Sorge heraus, die anderen Familienmitglieder durch das Ansprechen der Trauer zusätzlich zu belasten. Vor allem nach einem Suizid kommt es häufig vor, dass die Familienmitglieder untereinander nicht über den Verstorbenen und die Todesumstände sprechen. Der Umgang ist dann distanzierter und es kann zu einem Gefühl von Entfremdung von der eigenen Familie kommen.

Missverständnisse und Konflikte

Christopher (23 Jahre)

Beispielfall: Christopher„Als mein Bruder vor 9 Jahren gestorben ist, gab es zu Hause oft Streit. Meine Mutter und mein kleiner Bruder haben ständig über ihn gesprochen. Ich wollte mich lieber mit Freunden treffen, um nicht an ihn denken zu müssen und mein Vater hat es glaube ich nicht ertragen, immer wieder an Marco erinnert zu werden. Er hat sich dann immer in sein Arbeitszimmer zurückgezogen. Meine Mutter konnte das nicht verstehen und hat sich viel mit meinem Vater und mir gestritten. Manchmal habe ich mich zu Hause wie ein Fremder gefühlt.“

Jedes Familienmitglied trauert anders. Es gibt Zeitpunkte im Trauerprozess, in denen es wichtig ist über den Verstorbenen zu sprechen und es gibt auch Zeiten, in denen man nicht über das Thema sprechen möchte. In trauernden Familien kommt es immer wieder zu Missverständnissen und Konflikten, wenn sich einzelne Familienmitglieder in unterschiedlichen Trauerphasen befinden und der Wunsch eines Familienmitglieds nach Gespräch oder nach Schweigen von den anderen Familienmitgliedern nicht geteilt wird.

Rollen und Aufgaben in der Familie

Annika (18 Jahre)

Beispielfall: Annika„Als meine ältere Schwester gestorben ist, war ich plötzlich die Älteste von uns Kindern. Mein Bruder war noch so klein und hat alles noch gar nicht richtig verstanden. Er hat ständig nach Lena gefragt und ich habe ihn dann getröstet. Ich habe in der Zeit auch Kochen gelernt, weil meine Eltern oft in ihren Gedanken so weit weg waren, dass sie nicht daran gedacht haben, uns rechtzeitig Essen zu machen.“

In Familien, in denen ein Geschwister gestorben ist, verändern sich die Rollen und Aufgaben der lebenden Geschwister. Ein Jugendlicher, der bisher immer das mittlere Kind in seiner Familie war, muss z.B. plötzlich den Platz als Ältester einnehmen, oder ein Kind wird durch den Tod eines Geschwisters plötzlich zum Einzelkind. Gleichzeitig kümmern sich die Geschwister häufig noch um ihre Eltern, trösten sie und versuchen, sie zu unterstützen. Diese Veränderung der eigenen Rolle innerhalb der Familie führt bei trauernden Geschwistern häufig zu Verwirrung und Unsicherheit. Viele Geschwister erleben die neuen Anforderungen aber auch positiv, machen die Erfahrung, vieles schaffen zu können und an der Verantwortung zu wachsen.